| Nachdem
in einem Altbau kiloweise Schmuck gefunden wurde, könnte
sich eines der spektakulärsten Verbrechen Deutschlands
aufklären lassen - der Millionen-Krimi um den
Juwelier Düe. Theoretisch ist der Mann bedauernswert
arm, doch darben muss er keineswegs: Das prächtige Haus
auf Sylt, in dem René Düe lebt, gehört seiner Schwester,
der Mercedes SL, den er fährt, ist geliehen. Der einstige
Prominenten-Juwelier aus Hannover lebt zurückgezogen
auf Deutschlands Prominenten-Insel und erfährt Luxus
nur von der Güte seiner Freunde. Denn besitzen darf
Düe, 54, aus juristischen Gründen offiziell nichts.
Bei einem bislang ungeklärten Raubüberfall auf sein
Geschäft in Hannover kamen 1981 Juwelen, Gold und Uhren
im Wert von mehr als 13 Millionen Mark abhanden, die
ihm zum größten Tell nicht gehörten. Und die Besitzer
hätten ihre Preziosen gern zurück.
Weil Düe den Tätern selbst die Tür öffnete, der Tresor
offen stand und er dem Privatagenten Werner Mauss, 60,
anschließend noch einige als geraubt gemeldete Stücke
verschaffte, weigert sich die Versicherung bis heute
erfolgreich, den Schaden zu begleichen. Agent und Versicherung
glauben, dass Düe den Überfall selbst inszeniert hat.
Jetzt, 19 Jahre später, könnte der Fall vielleicht
doch noch aufgeklärt werden- Elf Pakete mit Schmuck
aus der Beute, zusammen 10,8 Kilogramm schwer, tauchten
durch Zufall am Dienstag vorvergangener Woche auf -
sie waren versteckt in einem ehemaligen Geschäft der
Düe-Familie.
Damit gerät einer der spektakulärsten Fälle in der
bundesdeutschen Kriminalgeschichte erneut im Rampenlicht.
Alte Wunden reißen wieder auf. Es ging um ehrgeizige
Polizisten und illegale Ermittlungsmethoden. Am Ende
stand vor einem Untersuchungsausschuss des niedersächsischen
Landtags der Rechtsstaat auf dem Prüfstand. Manche Beteiligte
leiden bis heute unter den Folgen. |
Der
Krimi begann am 31. Oktober 1981: Ein Briefträger, der
zwei Wertsendungen abgeben wollte, fand Düe, bewusstlos
auf dem Boden liegend, in seinem feinen Juweliergeschäft.
Er hatte eine blutende Wunde am Kopf, aus dem Mund floss
Erbrochenes. Dües Mutter kauerte, geknebelt und völlig
verängstigt, auf der Empore. Der Tresor war offen, der
Inhalt fehlte. Der Schaden: 13.665.962 Mark. Per Zeitungsinserat
und Postkarte hatte Düe für jenen Tag seinen Kunden
eine Ausstellung exquisiter Stücke
avisiert. Noch vor der Eröffnung, kurz nach 9 Uhr, klingelten
aber zwei elegant gekleidete Männer mit Pilotenkoffern
an der Tür; sie sahen südländisch aus, erinnerten sich
Zeugen später. Er habe geöffnet, sagt Düe, weil er einen
Geschäftsfreund erwartete.
Die beiden schlugen Düe nieder, und zwar brutal.
Der Juwelier lag anschließend zwei Wochen lang im Krankenhaus.
Die Beute bestand überwiegend aus Kommissionsware, es
war auch etwas Privatschmuck dabei, etwa für eine halbe
Million Mark. Wegen der Ausstellung hatte Düe bei der
Mannheimer Versicherung seine Police erhöht. Die abgeschaltete
Überwachungskamera und den geöffneten Tresor erklärt
Düe mit den Vorbereitungen der Ausstellung.
Doch Ermittler und Versicherung glaubten ihm von
Anfang an nicht so recht. Schnell geriet Düe, der zuvor
bereits einmal überfallen und bestohlen worden war,
in den Verdacht, den Überfall fingiert zu haben. Die
Versicherung weigerte sich, den Schaden zu begleichen.
Erst sei das Ende der Ermittlungen abzuwarten. Düe geriet
mächtig unter Druck. Und die Polizei sah keine Spur
zu den Räubern. Da kam Werner Mauss ins Spiel. Mauss war damals noch
ein Phantom, der geheimste Agent Deutschlands, ziviler
Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes (BKA). Kaum jemand
durfte wissen, wie er aussah. Die Polizei in Hannover
habe sich Hilfe suchend an das BKA gewandt, sagt Mauss. |